Sachanlagenfonds mit Verfügungsanteilscheinen

Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb
 
Focus MoneyMagna Aurelia, Alternative in der EURO-Krise
Schuldenkrise und Zentralbankkrise
Seit fünf Jahren ist der Euro eine Krisenwährung. Die Schuldenproblem der Euro-Randstaaten Griechenland und Portugal, wie auch die Bankenkrise in Irland haben die anderen Euro-Teilnehmerstaaten zu Hilfsmaßnahmen verleitet, die quantitativ und qualitativ ständig ausgeweitet werden, ohne eine nachhaltige Hoffnung auf Gesundung der kranken Staaten zu erwecken. Im Gegenteil, weitere große und kleine Staaten wie Spanien oder Italien neben Malta, Zypern und Slowenien geraten in eine Abwärtsentwicklung. Sinkendes Wirtschaftswachstum, steigende Arbeitslosigkeit, zunehmende Schwierigkeiten bei der Refinanzierung auslaufender Staatsschuldentitel verbunden mit ansteigenden Zinsen bedrohen die finanzielle und politische Stabilität dieser Staaten. Selbst Frankreich weist mittlerweile diese Symptome auf.
 
Die Rettungsmaßnahmen der Euro-Gruppe belasten die Teilnehmerländer, die noch solide Verhältnisse aufweisen, in zunehmendem Maße. Auch wenn die Hilfspläne vornehmlich auf die Gewährung von Bürgschaften setzen, werden letztlich Zahlungen fällig, die eine unmittelbare Belastung der Staatshaushalte nach sich ziehen. Dabei werden die Staaten, die Rettungshilfe erhalten, als Beitragszahler ausfallen; die Staatsschulden der Euro-Teilnehmerstaaten werden vergemeinschaftet. Niederlande, Finnland, Österreich und vor allem Deutschland bleiben als letzte Finanzierungspartner zurück. Die Folgen sind eine weitere Verschuldung auch dieser Länder, steigende Zinsen auf dem Finanzmarkt für Staatsanleihen und verstärkter Druck auf die Europäische Zentralbank, die Staatsschulden direkt zu finanzieren.
 
Die Krise der Staatsfinanzen hat gleichzeitig zu einer Krise der Euro-Geldpolitik geführt. Zur Bekämpfung erhöhter Zinssätze in den Eurokrisenstaaten hat die Europäische Zentralbank (EZB), in Gemeinschaft mit dem zugehörigen Europäischen System der Zentralbanken (ESZB), dem Zusammenschluss der nationalen Zentralbanken der am Euro beteiligten Staaten, geldpolitische Weg eingeschlagen, die – zumindest für deutsche Verhältnisse – höchst ungewöhnlich und destabilisierend sind. So hat die EZB damit begonnen, Staatsanleihen aufzukaufen, statt sie zu beleihen. Die Folge ist die verstärkte Ausschüttung von frischem Zentralbankgeld in den Wirtschaftskreislauf ohne realen Gegenwert.
 
Darüber hinaus wird mit der Ermöglichung eines kreditfinanzierten Zahlungsausgleichs zwischen den nationalen Zentralbanken (Target2) die Emission frischen Zentralbankgeldes außerhalb des Kontrollbereichs der EZB ermöglicht. Die zunehmende Nutzung dieser Gelddruckmaschinerie hat vor allem zu einem explosionsartigen Anstieg der „sonstigen Forderungen“ der Deutschen Bundesbank geführt. Im Gegenzug ist noch mehr Geld in den Umlauf geraten, das kaum durch Sachwerte gedeckt ist.
 
Der steigende Flut an Zentralbankgeld bei stagnierendem Wirtschaftswachstum erhöht zwangsläufig das Inflationspotential. Die Preise für die Lebenshaltung steigen zwar noch in einem relative geringen Ausmaß an, das hochinflationäre Anziehen der Preise für Sachvermögensgüter wie Gold, Immobilien und andere Sachwerte ist jedoch schon jetzt unübersehbar. Die Flucht aus der Geldanlage in die Sachanlage wird den Preisauftrieb für Sachvermögensgüter zunehmend beschleunigen.
Vorsorge vor Hyperinflation und EURO-Zusammenbruch.
 
Die permanente Euro-Krise hat zwei heikle monetäre Auswirkungen: Hohe Inflationsraten und zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform. Theoretisch lässt sich zwar der Schuldenstand eines Staates durch eine Geldentwertung verringern, ein deutlicher Abbau würde jedoch jahrzehntelange Inflationswerte von mehr als fünf Prozent erfordern. Eine Hyperinflation wird zwar in der kommenden Zeit mit Sicherheit eintreten, der eigentliche Schuldenabbau kann jedoch letztlich nur durch eine Währungsreform erfolgen.
 
Eine Währungsreform muss nicht notwendigerweise in der klassischen Ablösung der bestehenden Währung durch eine neue erfolgen. Denkbar und immer wahrscheinlicher ist gerade im Falle des Euro-Verbundes die parallele Wiedereinführung nationaler Währungen. Dies ist im Falle Deutschlands deshalb besonders attraktiv, weil auf diese Weise Altschulden in Euro beglichen werden können, die mittels einer stark aufgewerteten Neuwährung preiswert erworben werden können. Egal welche Reformvariante vorliegen wird, Halter von Euro-Geld sind die Vermögensverlierer.
 
Durch Inflation und Währungsreform werden nicht nur direkte Geldvermögen (Bargeld, Sichteinlagen, Spareinlagen) vernichtet. Reduziert wird auch der Wert der staatlichen Schuldverschreibungen (Staatsanleihen, Bundesschatzbriefe und ähnliches). Eine auf Euro-Basis erworbene Staatsanleihe, deren Nennwert am Ende der Laufzeit in Euro zurückgezahlt wird, verliert nicht nur ihren inflatorischen Abschlag. Liegt die Nominalverzinsung unter der Inflationsrate, entstehen zusätzliche Verluste.
Die grundsätzliche Devise heißt somit: Geldvermögen in Sachanlagen umwandeln. Zu den zu bevorzugenden Sachanlagen zählen Immobilien, Unternehmensbeteiligungen (sofern hohe Sachwerte dahinter stehen), Rohstoffe und Edelmetalle, aber auch langlebige hochwertige Konsumgüter (Möbel, Uhren usw.) und Kunstobjekte. Der Besitz kann vollständig oder in Anteilen (Aktien, Fondsanteile) gesichert sein.
 
Sachvermögen kann, muß aber keine laufenden Erträge einbringen. Bei vermieteten Immobilien wären es die laufenden Mieteinnahmen, abzüglich des Erhaltungsaufwands und der Verwaltungskosten, bei Unternehmensbeteiligungen die jährlichen Erträge und Ausschüttungen. Andere Sachanlagen wie Rohstoffe, Gold und Kunstgegenstände können allein durch ihren Wertzuwachs Erträge aufweisen, letztlich aber auch nur dann, wenn diese durch den Verkauf der Sachanlage realisiert werden.
Die Umwandlung von Geldvermögen in Sachvermögen ist grundsätzlich mit dem Nachteil verbunden, damit auf wichtige Geldfunktionen verzichten zu müssen. Geld dient insbesondere als Zahlungsmittel und Verrechnungseinheit. Seine dritte Funktion, Wertaufbewahrungsmittel, verliert es in Form des Euro. Diese wird erst durch die Wandlung in eine Sachanlage wiederhergestellt. Wünschenswert ist es aber, auch die Sachanlage wenigstens teilweise als Tauschmittel einzusetzen und seine Funktion als Zahlungsmittel und Verrechnungseinheit zu ermöglichen.
 
Sachanlagen, die der Absicherung von Inflations- und Währungsrisiken dienen, werden häufig nur befristet benötigt. Ist die Inflationsphase vorbei und die Währungsreform erfolgt, kann die Rückwandlung in Geldvermögen zweckdienlich sein (beispielsweise zur Finanzierung der Alterseinkommen). In kritischen Fällen kann sogar die Rückwandlung erforderlich werden, bevor die monetären Gefahren beseitigt sind. Andererseits kann eine hastige und ungeplante Veräußerung des Sachvermögens zu Vermögensverlusten führen. Grundsätzlich ist eine von vorneherein vereinbarte zeitliche Befristung der Sachanlage vorteilhaft – am besten mit anschließender Verlängerungsoption.
 
III. Share-Wert (Magna-Aurelia) der Sachanlage
Eine beispielhafte Lösung der Vermögensrettung unter Beachtung der dargestellten Probleme ist eine Sachanlage mit Liquiditätsoption. Träger ist eine Sachvermögensverwaltungsgesellschaft (SVVG). Diese gründet einen Sachwertefonds und erwirbt Sachvermögen unterschiedlichster Art, wie Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Rohstoffvorkommen, auch Gold,
 
Kunstobjekte und andere dauerhafte Sachwerte
Privaten Investoren wird eine Beteiligung an der Sachvermögensmasse angeboten. Dazu können Fondsanteile (Shares) erworben werden, die mit einem Euro-Preis ausgezeichnet sind, der dem Wert des Sachvermögens entspricht. Eventuell kann der Investor auch eigenes Sachvermögen in den Fonds einbringen, das die SVVG dann mit Shares bewerten müsste.
Der Preis der ersten Shares resultiert aus dem Geldwert der ersten Vermögensmasse bei ihrem Erwerb, geteilt durch die Anzahl der dafür festgelegten Shares. Kauft z.B. die SVVG als erstes eine Immobilie in Wert von 10 Millionen Euro und beschließt dafür die Ausgabe von 10 Millionen Shares, beträgt der Startpreis des Shares ein Euro. Ein Investor, der 10.000 Euro investiert, erhält 10.000 Shares).
 
Der Preis der nächsten Shares berechnet sich aus dem Geldeinsatz für den nächsten Sachwerterwerb, geteilt durch den aktuellen Wert der bestehenden Shares. Sind bisher 10 Millionen Shares ausgegeben worden und besitzen die damit erworbenen Sachgüter einen gestiegenen Gesamtwert von 12 Millionen Euro, beträgt der Wert eines Shares 1,20 Euro. Soll nun eine zusätzliche Sachanlage von sechs Millionen Euro erworben, sind Investoren erforderlich, die zu diesem Preis zusammen 5 Millionen Shares nachfragen.
 
Die Share-Halter können Shares aufkündigen, jedoch nur mit einer Frist (von beispielsweise sechs Monaten) und zu bestimmten Stichtagen. Der Rückgabewert eines Shares richtet sich nach dem Verkaufspreis der entsprechenden Sachwerteanteile. Ebenso kann die SVVG Shares aufkündigen, wenn der Verkauf von Sachwerten erforderlich wird. Dies bedarf ebenso der Einhaltung einer festgelegten Frist.
 
Aus markttechnischen Gründen kann die SVVG einen Teil des Vermögens in Geld halten (jedoch höchstens beispielsweise 10 Prozent). Diese Reserve kann zum Ausgleich eines unerwarteten Anstiegs des Anschaffungspreises geplanter Sachwerte oder zur Deckung der Auszahlung gekündigter Shares erforderlich sein.
 
Die Investoren erhalten ein Renditeversprechen. Ihr Gewinn (oder Verlust) ergibt sich aus dem Vergleich des Preises, der anfangs für einen Share gezahlt werden musste, und dem Erlös je Share bei seiner Auflösung.
Da die Sachanlagen laufende Erträge einbringen können oder sich ihr Wert durch Umschichtungen (Verkauf bestimmter Sachwerte und Zukauf anderer) erhöhen kann, ist die Frage der Verwendung dieser Zugewinne zu klären. Denkbar wäre eine Auszahlung an die Inverstoren in Form von zusätzlichen Shares oder eine Gewinnansammlung im Fonds.
 
Liquiditätsoption
Um eine zwischenzeitliche Verfügbarkeit der Sachvermögenswerte zu ermöglichen, könnte an die Beleihung der Shares gegen Ausgabe von Euro-Krediten gedacht werden. Das widerspricht jedoch der reinen Sachwertorientierung der SVVG. Kompatibel ist dagegen die Ermöglichung eines Austauschs von Shares zwischen den Investoren oder die Übertragung an Nichtinvestoren. Dies sollte aber nicht über eine Börsennotierung erfolgen.
 
Grundsätzlich wäre es zweckmäßig, wenn die SVVG ein eigens Kontensystem für die Verwaltung der Share-Guthaben einrichtet. Den Investoren sollte die Möglichkeit eröffnet werden, direkt über ein Online-Management auf ihre Shares (OMS) zugreifen zu können, um den Bestand ihrer Shares und deren Wertentwicklung abzufragen.
Darüber hinaus sollten die Share-Halter die Möglichkeit haben, Teile Ihres Share-Bestandes auf an der Share-Konten zu übertragen. Das Motiv dieser Übertragung muß der Share-Halter der SVVG nicht offenlegen. Zweck der Übertragung kann eine Schenkung an den Empfänger, der Austausch von Shares gegen private Sachwerte des Empfängers oder die Bezahlung von Verbrauchsgütern oder Dienstleistungen sein.
 
Damit ist implizit ein privater Verkauf von Shares möglich. Der Share-Halter kann als Gegenleistung für seine Übertragung auch Geld oder Devisen erhalten. Der Share-Überträger muss mögliche steuerrechtliche Auswirkungen (Zahlungspflicht von Mehrwertsteuer, Einkommensteuer, Schenkungssteuer etc.) seiner Übertragung bedenken.
Die Einschränkung der privaten Verwendung der Shares auf reine Kontenübertragungen kann aufgehoben werden, indem fälschungssichere physische Medien ausgegeben werden. Dies können beispielsweise schriftliche Zertifikate über bestimmte Share-Mengen sein (z.B. Zertifikate über 10, 100 oder 500 Shares, gegebenenfalls auch kleinere Menge wie ein oder ein halbes Share).
 
Share-Zertifikate werden an die Share-Halter unter Belastung ihres Share-Kontos ausgezahlt. Ausgegebene Zertifikate können auch wieder auf Share-Konten eingezahlt werden. Für die steuerrechtlich ordnungsgemäße Verwendung der ausgegebenen Share-Zertifikate haften die Verwender derselben.
 
Rechtliche Aspekte
Aus der Sicht der SVVG ist insbesondere der steuerrechtliche Aspekt zu beachten. Unproblematisch ist allein der Tausch gegen andere Sachwerte, da ein Share ebenfalls einen Sachwert repräsentiert, der im Privatbesitz ist. Dies könnte verdeutlicht werden, indem die Shares die Bezeichnung PARS erhalten, als Abkürzung für Private Assets Representing Share. Ein privater Tausch Sachwert gegen Sachwert ist steuerfrei, etwa wenn 10.000 PARS gegen einen Siebdruck von Andy Warhol getauscht werden, der sich in Privatbesitz befindet. Anders ist dagegen die Bezahlung eines Kunstwerks zu bewerten, das ein Kunsthändler anbietet. In jeden Falle sollte die SVVG die Verwendungshaftung auf den Share-Halter übertragen.
Werden Shares verstärkt als Geldersatz eingesetzt, könnte der Vorwurf einer privaten Währungsemission vorliegen. Damit würden hoheitliche Vorbehalte des Staates berührt. Andererseits ist die SVVG keine Bank. Sie verwaltet und mehrt alleine Sachvermögen, das sich im Privatbesitz befindet. Sie unterhält keine Firmenkonten und betreibt auch keine Share-Geschäfte mit Banken. Insbesondere gewährt sie keine Kredite, noch betreibt sie Verleihgeschäfte anderer Art.
 
Geldpolitisch wäre die Share-Währung natürlich gegenüber der bestehenden Euro-Währung im Vorteil, da sie eine reine Guthabenwährung ist, die auf Sachwerten basiert und nicht über die kreditbasierte Geldschöpfung oder die Druckmaschinen einer Zentralbank unkontrolliert aufgebläht werden kann. Sie wäre gewissermaßen eine Währung auf „Goldbasis“, wobei die Basis Gold durch eine Vielzahl von Sachwerten erweitert ist.
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