"Deutschland und Österreich nützt eine Währungsaufwertung!"

Prof. Dr. Wilhelm HankelProf. Dr. Wilhelm Hankel gilt als einer der profilliertesten Gegner des EURO-Systems
 
Prof. Dr. Wilhelm Hankel (Foto) war Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaft. Als Leiter der Abteilung Geld und Kredit wurde er einer der engsten Mitarbeiter unter Bundesminister Prof. Karl Schiller. Er war maßgeblich an der Entwicklung der Bundesschatzbriefe sowie der Sonderziehungsrechte des IWF (SZR) beteiligt und führte die Terminbörse in Frankfurt am Main ein. Prof. Dr. Wilhelm Hankel war später Präsident der Hessischen Landesbank (Helaba). In einem Gespräch mit Prof. Dr. Wilhelm Hankel legt dieser seine Überzeugungen zum EURO dar.
 
MAGNA AURELIA: Herr Professor Hankel, der EURO kriselt weiterhin, wieviele Rettungsschirme werden noch nötig
sein, um den EURO in seiner jetzigen Form zu erhalten?
 
Prof. Hankel: Auch der zweite Euro-Rettungsschirm (ESM) mit seinen 750 Mrd € wird nicht ausreichen, wenn die Finanzen Italiens, Spaniens und vielleicht sogar Frankreichs einbrechen. Doch das Bundesverfassungsgericht hat jetzt jede “Automatik” in Sachen Euro-Rettung verboten – ein der Öffentlichkeit weitgehend verschwiegener Erfolg der Klage “der fünf Professoren”. Sollte der ESM aufgestockt oder der Plan mit den “Eurobonds”  weiter verfolgt werden: Herr Schäuble oder sein Nachfolger im Amt kann mit der Anschluss-Klage rechnen.
 
MAGNA AURELIA: Lassen sich die politischen Entscheider nicht schon längst von Spekulationswellen der Finanzmärkte vor sich hertreiben. Immerhin lässt sich gegen die kranke Volkswirtschaft Griechenland verhältnismäßig risikolos spekulieren, wenn eine Insolvenz durch den unbegrenzten Blutzufluss aus gesünderen europäischen Staaten ausgeschlossen erscheint?
 
Prof. Hankel: Diese “Spekulanten” sind  Millionen verzweifelte Menschen, die ihr bißchen Erspartes retten wollen. Das werden Sie und ich auch bald tun müssen, wenn die Dinge weiter so treiben wie jetzt. Dass die  Regierungen der Euroländer – die deutsche voran – mit ihrer Euro-”Rettung” das Geld und die Forderungen der Banken retten und nicht die Währung, das ist der eigentliche Skandal. Hier kämpft eine politische Klasse gegen ihr eigenes Volk und versündigt sich an ihm.
 
MAGNA AURELIA: Was ist Ihr fairer Vorschlag für die Stabilisierung Griechenlands, wir können die Hellenen ja nicht einfach vergessen oder aufgeben?
 
Prof. Hankel: Man muss die Griechen von den Auflagen der Euro-”Retter” befreien. Sie sind ebenso unsinnig wie unerfüllbar und entwürdigend. Sie entmündigen das Land und stürzen es ins nackte Elend. Wenn Griechenland die Eurozone verlässt, kann es sein Haus wieder in Ordnung bringen, wie unsere osteuropäischen Nachbarn, die keinen Euro haben, auch. Sie können ihre Wettbewerbskraft zurückgewinnen durch eine kräftige Abwertung ihrer dann ihnen gehörenden Währung und ihre Gläubiger müssen ihnen dann einen Schuldennachlass (haircut) gewähren, weil sie sonst ihre Zahlungen ans Ausland ganz einstellen. Also Selbsthilfe ist angesagt statt Euro-Rettung.
 
Mit dem Austritt der Problemländer aus der Eurozone wird der Euro stärker statt schwächer. Eine Währungsunion ist immer so stark und stabil wie ihre Mitglieder! Nur: Sie ist weder Selbstzweck noch Voraussetzung für die weitere Integration Europas. Dass es mit dem geordneten Nebeneinander nationaler Währungen besser geht als mit einer Union zeigt sowohl die Zeit vor dem Euro wie jetzt das bessere Abschneiden der osteuropäischen Nicht-Euroländer als das von Griechenland und Co.
 
MAGNA AURELIA: Erwarten Sie ein Szenario des Zerfalls des EURO-Raums in eine Nord- und eine Süd-EURO-Zone?
 
Prof. Hankel: Ein Süd-Euro ist totaler Quatsch! Wie können Schuldnerstaaten eine Währungsunion bilden, wenn keiner für sie zahlt!
 
MAGNA AURELIA: Wie kommen Deutschland und Österreich je wieder von ihrer eigenen Staatsverschuldung runter?
 
Prof. Hankel: Sowohl Deutschland wie Österreich erhielten mit einer aufgewerteten nationalen Währung die einmalige Chance, ihre Euro-Schulden billig zu tilgen. Das Lobby-Geschrei von Finanz- und Exportwirtschaft entbehrt jeder Überzeugung. Eine stabile Währung nützt allen, auch ihnen!
 
MAGNA AURELIA: Vielen Dank!