Eine private Währungsalternative

Der Euro-Untergang kann noch lange dauern – wir brauchen jetzt: Eine private Währungsalternative
von Bernd-Thomas Ramb
 
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider und Rainer Keller.Foto: Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider und Rainer Keller.
 
Einige wenige einsichtige Politiker oder noch so intellektuelle Parteineugründungen können die Trägheit epochalen Fehlentscheidung nicht auf die Schnelle beseitigen. Der Euro – um den es hier geht – wird möglicherweise noch Jahre existieren, bis er endgültig in einer Währungsreform zusammenbricht. In der Zwischenzeit vergrößert er den bereits angerichteten Schaden, vornehmlich durch das hemmungslose Gelddrucken der Europäischen Zentralbank. Die Konsequenz heißt: Inflation. Schon jetzt zeigt sie sich in den explodierenden Preisen für Sachvermögensgüter wie Gold, Immobilien und Rohstoffe.
 
Die fluchtartige Umwandlung von Geld- in Sachvermögen nimmt an Geschwindigkeit zu. Aus gutem Grund, denn der Euro verliert mit seiner Inflationsträchtigkeit eine der drei elementaren Geldfunktionen, die des Wertaufbewahrungsmittels. Als allgemeines Tauschmedium und als Recheneinheit, die beiden anderen Funktionen des Geldes, dient er ebenfalls mit zunehmend eingeschränkten Möglichkeiten. Wertvolle Waren und Dienstleistungen in inflationäres Geld einzutauschen wird immer unattraktiver. Wie auch das Berechnen der Warenwerte mit einer schmelzenden Einheit schwieriger wird.
 
Die Ablösung einer Währung, die ihre Geldfunktionen verliert, wäre eigentlich Aufgabe des Staates. Der aber hat – nicht nur im Falle des Euro, dort wegen seiner politischen Bedeutung im Besonderen – nur wenig Interesse an einer inflationsfreien Währung. Geldvermehrung bietet den Politikern ein wahlpolitisch gut verwertbares Instrument zur kurzatmigen Wirtschaftsbelebung nach keynesianischem Muster oder zum populären Verteilen sozialer Wohltaten. Der Sparer, der etwa für das Alter Einkommensrücklagen bilden will, ist dagegen an einer inflationsabgesicherten Geldhaltung interessiert.
 
Die folgerichtige Umwandlung von Geld in Sachwerte hat jedoch auch Nachteile. Damit wird zwar die Werterhaltungsfunktion des Geldes hergestellt, die Tauschfunktion jedoch erschwert. Um mit den angesparten Sachwerten andere Sachwerte, Waren oder Dienstleistungen einzutauschen, müssen sie zunächst gegen das offizielle Geld verkauft werden. Dabei entstehen Transformationskosten. Einen Weg, diese zu vermeiden, könnte die Sachanlage Gold bieten, wenn mit Gold direkt bezahlt würde. Als Tauschmittel wird Gold aber nicht immer akzeptiert und die Recheneinheitsfunktion ist durch die begrenzten Stückelungsmöglichkeiten selbst in Münzenform erschwert. Zudem ist die physische Übertragung notwendig, was den Tausch mit zusätzlichen Kosten und Risiken belastet.
 
Gleichwohl steckt hinter dem Gold ein brauchbarer Ansatz zur Entwicklung einer privaten Währung. Es müssen nur die Tauschfunktion und die Recheneinheiten verbessert werden. Dazu müßten die privaten Goldbestände einer Sachvermögensverwaltungsgesellschaft (SVVG) übertragen werden, die den Bestand an Gold in Gramm gemessen quittiert und nach Aufforderung des Besitzers entsprechende Anteilsscheine herausgibt. Mit diesen Anteilsscheinen kann dann der Goldbesitzer operieren, sie zum Kauf von Waren und Dienstleistungen verwenden oder sich wieder die entsprechende Goldmenge zurückholen. Dies ist soweit keine neue Idee, da eine goldgebundene Währung früher von den meisten Staaten praktiziert wurde. Aber das ist heute gerade nicht mehr der Fall.
 
Die Idee der sachgebundenen Privatwährung läßt sich nicht nur auf der Basis des Goldes wiederbeleben, sondern auch auf andere Sachwerte ausweiten. Die SVVG könnte nicht nur Gold, sondern auch andere Sachwerte, andere Edelmetalle oder Rohstoffe und Immobilien bis hin zu Kunstgegenständen als Pfand in Empfang nehmen und dafür eine dem Zeitwert entsprechende Anzahl ihrer Sachwertanteilseinheiten gutschreiben. Da diese Anteile eine private Anlage repräsentieren werden sie im folgenden zur Vereinfachung der Ausführungen als PARA abgekürzt. Mit diesen PARA kann der PARA-Halter andere Sachvermögensobjekte erwerben oder sie bis zu einer Rückübertragung aufheben.
 
Die PARA-Beträge müssen nicht in physischer Form als „Geldscheine“ ausgezahlt werden. Sie werden ohnehin digital in einem Kundenkontensystem verbucht, auf das der PARA-Halter wie in einem Online-Banking-Verfahren zugreifen könnte, um beispielsweise Überweisungen auf andere PARA-Konten vorzunehmen. Weiterhin werden den PARA-Konten die Erträge der Sachanlage gutgeschrieben, wenn der Anleger beispielsweise Immobilienwerte hinterlegt hat oder eine Anlage in Sachfonds Gewinne ausweist. Belastet werden die PARA-Konten mit den Verwaltungsgebühren der SVVG, die je nach Anlageneinlage einmalig oder jährlich anfallen.
 
Der PARA-Besitzer kann seine PARA auch auf dem freien Markt gegen Euro einwechseln. Da sich in den Zeiten der Euro-Inflation der Euro-Wert der Sachanlagen ständig erhöht, wird eine Einwechslung der PARA in Euro im Laufe der Zeit immer höhere Euro-Beträge erzielen. Dadurch kann der PARA den Kaufkraftverlust des Euro ausgleichen. Erfolgt die Sachanlage des Anlegers bei der SVVG mit einer bestimmten Frist, gibt er am Ende der Laufzeit den Gesamtbetrag seiner anfangs erhaltenen PARA zurück und erhält dafür seinen Anteil am Verkauf der Sachanlage. Deren Euro-Wert wird in der Zwischenzeit entsprechend gestiegen sein.
 
Die SVVG bestimmt die Gesamtmenge des PARA-Geldes. Sie wird reduziert durch den Verkauf von Sachanlagen gegen Euro mit Ausschüttung an die PARA-Besitzer, die dafür die entsprechende PARA-Anzahl zurückgeben. Die Gesamtmenge an PARA wird erhöht, wenn die SVVG neue Sachanlagen gegen Euro erwirbt und dafür Anleger findet, die entsprechende Euro-Geldzahlungen gegen Gutschrift in PARA leisten. Die SVVG könnte auch Sachanlagen direkt vom privaten Besitzer gegen Ausgabe von PARA erwerben, wenn die Werthaltigkeit gesichert ist. Insgesamt übernimmt die SVVG gewissermaßen die Aufgaben einer Zentralbank, allerdings unter strikter Einhaltung der strengstens sachwertabgesicherten Ausgabe von PARA-Einheiten.
 
Werden PARA verstärkt als Geldersatz eingesetzt, könnte der Vorwurf einer privaten Geldemission vorliegen. Damit würden hoheitliche Vorbehalte des Staates berührt. Andererseits ist die SVVG keine Bank. Sie verwaltet und mehrt alleine Sachvermögen, das sich im Privatbesitz befindet. Sie betreibt keine Geld-Geschäfte wie Banken. Insbesondere gewährt sie keine Kredite und betreibt auch keine Verleihgeschäfte anderer Art. Vor allem aber zahlt sie weder Zinsen, noch verspricht sie zinsähnlicher Erträge.
 
Die PARA-Währung kann Geldfunktionen übernehmen, sie ist jedoch kein allgemeines gesetzliches Zahlungsmittel wie der Euro. Geldpolitisch wäre die PARA-Währung allerdings gegenüber der bestehenden Euro-Währung im Vorteil, da sie eine reine Guthabenwährung ist, die auf Sachwerten basiert und nicht über die kreditbasierte Geldschöpfung oder die Druckmaschinen einer Zentralbank unkontrolliert aufgebläht werden kann. Sie wäre gewissermaßen eine Währung auf „Goldbasis“, wobei die Basis Gold durch eine Vielzahl von Sachwerten erweitert ist.
 
Eine PARA-Währung einzuführen ist ein Akt unternehmerischen Wagemuts. Erste Pläne zur Gründung einer geeigneten Sachvermögensverwaltungsgesellschaft konkretisieren sich zur Zeit. Eine private Parallel-Währung mit einer Absicherung durch Sachanlagen liegt einfach in der Luft.
 
Professor Dr. Bernd-Thomas Ramb ist Diplom-Mathematiker, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geldtheorie und Geldpolitik, ökonomischen Verhaltenstheorie und politische Ökonomie der Europäischen Union. Ausgesuchte Veröffentlichungen: Gebt uns unsere D-Mark zurück (mit B. Bandulet, W. Hankel, K. A. Schachtschneider, U. Ulfkotte), Rottenburg (Kopp-Verlag) 2012; Der Zusammenbruch unserer Währung, 10.A., Hamburg (WPR-Verlag) 2012; Braucht der EU-Binnenmarkt eine Währungsunion, in: F.-U.Willeke (Hrsg.), Die Zukunft der D-Mark, München (Olzog-Verlag) 1997.