Verteidigung des Zinses

Sachverständige im Nationalrat der Republik Österreich: Baron Rolf von Hohenhau, NaAbg. Josef Bucher und Prof. Bernd-Thomas RambZinskritik ist nicht modern. Spätestens seit dem Mittelalter wird ausdrücklich moralisch verurteilt, wenn Geldverleiher Zinsen verlangen. Unchristlich sei es. Aber auch Christen benötigten Kredite und nur wenige Glaubensbrüder waren bereit, diese zinslos zu gewähren. Zinsgeschäfte waren deshalb nur Juden erlaubt. Wurde dann die Zinsbelastung zu groß und bereitete die Rückzahlung Probleme, griffen – weniger die kleinen Schuldner, als vielmehr die großen Herrscher – gerne zum Befreiungsschlag per Pogrom, um die Juden zu erschlagen und damit die Schuldscheine zu tilgen. Eine verlogene, nur scheinchristliche Welt.Während Christen mittlerweile Zinsforderungen nicht mehr als Teufelswerk ansehen und sogar der Vatikan über eine Bank verfügt, herrscht im islamischen Raum weiterhin ein Zinsverbot. Geld verleihen darf man, nur eben keine Zinsen fordern. Damit droht jeder Kreditmarkt praktisch zu erliegen. Um dies zu verhindern, erlaubt der Islam eine Beteiligung des Kreditgebers am Gewinn, den der Schuldner mit dem geliehenen Geld erzielt. Das entspricht natürlich einer Verzinsung, wenn auch in fraglicher Höhe des Zinssatzes. Wie wenn der Angestellte keinen festen Lohn erhält, sondern eine bestimmte Beteiligung am Unternehmensgewinn.
 
Grundsätzlich ist die Forderung einer Verzinsung beim Geldverleih ökonomisch verständlich. Der Gläubiger verzichtet für einen bestimmten Zeitraum auf eine eigenständige Verwendung seines Geldes und läßt sich für diesen Nachteil entschädigen. Anstatt sich auf eine ungewisse Höhe in Form einer Gewinnbeteiligung einzulassen (das könnte er beispielsweise über den Kauf von Aktien), zieht er eine feste Entlohnung seines Verwendungsverzichts mit einer periodischen Zahlung vor. Das heißt dann Zinsen. Wird diese Bezahlung nicht vollzogen, sondern auf die Kreditsumme aufgeschlagen, wird ein Zinseszins fällig.
 
Kritikwürdig wäre allenfalls die Entstehung verleihbaren Geldes. Selbst unter Beachtung marxistischer Ausbeutungstheorien basiert das angehäufte Geldkapital prinzipiell auf vorangegangene Ersparnisse. Teile des Einkommens wurden weder konsumiert, noch für eigene Investitionen ausgegeben. Das kann später umgekehrt laufen, wenn das künftigen Einkommen geringer ausfällt als die Ausgaben. Dann werden die vorangegangenen Ersparnisse abgetragen. In der Zwischenzeit kann aber das Geld durch Inflation seinen Wert verlieren. Schon um diesen Nachteil auszugleichen, ist die Zinsforderung notwendig.
 
Zur Zeit deckt der Marktzins noch nicht einmal die Inflationsrate. Real verlieren also Geldbesitzer trotz ihrer Zinsgewinne. Hinzu kommt das Risiko, das entliehene Geld nicht zurückzubekommen. Entsprechende Risikoaufschläge auf den Zins läßt der Markt nicht immer zu. Sogar der Geldverleih an den Staat ist nicht mehr sicher – Käufer griechischer Staatsanleihen wissen dies. Schlechte Zeiten für Geldbesitzer – selbst mit Möglichkeit, beim Verleihen Zinsen zu fordern.